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Dommuseum Frankfurt

Vroni Schwegler, Sardinen, Kaltnadelradierung, 30x100 cm, 2013
Kasel, um 1750, Dommuseum Frankfurt, Foto: Michael Benecke

Intervention
Vroni Schwegler im Dommuseum Frankfurt

1. Juli – 11. September 2016

 

 

Bilder der Ausstellungseröffnung zeigen

 

 

Intervention

Goldschmiedekunst und Messgewänder aus dem Mittelalter und der Barockzeit sind der wertvollste Besitz des Dommuseums: Kaseln und Diakonsgewänder aus kostbar bestickten Samt- und Seidenstoffen, oft mit bizarren Mustern und detaillierten figürlichen Darstellungen – Zeugnisse höchster Kunstfertigkeit und vergangener Prachtentfaltung. In einer der letzten Ausstellungen vor der Neuaufstellung der Sammlung mischt sich Vroni Schwegler mit subtilen Interventionen in die bestehende Präsentation im Kreuzgang des Frankfurter Doms ein.

 

Stillleben

Seit vielen Jahren arbeitet Vroni Schwegler zum Thema Tier. Fische, Vögel, Kaninchen sind oft ihre Modelle, Kreaturen, die sie so meisterhaft zeichnet oder malt, dass man Federn, Fell oder die glänzenden Schuppen der Fische beim Betrachten beinahe spürt. Die Technik der Kaltnadelradierung beherrscht sie so gut, dass Blätter von erstaunlicher Größe entstanden sind, changierend zwischen dem zarten Grau feiner Linien und dem tiefen, samtigen Schwarz flächigerer Partien. Oft sind es nur Fragmente, die sie zeigt, Ausschnitte, die in Details sehr konkret werden können. Auf diese Weise erhalten die Arbeiten etwas Momenthaftes, Unvollendetes, das dem Vergänglichkeitsgedanken der barocken Stillleben sehr verwandt erscheint: Was ist das Leben, das diesen Tieren vor ganz kurzer Zeit noch innewohnte? Ein Hauch, ein Augenblick, der verfliegt. Noch sind die Kreaturen in ihrer Schönheit aber vorhanden, festgehalten in einem Moment zwischen Dasein und Auflösung.

 

Weniges

Schon lang vor Eröffnung der Ausstellung hat Schwegler begonnen, sich mit dem Raum auseinanderzusetzten, Vitrinen zu leeren und Inhalte zu reduzieren – dieselbe Strategie, die sie auch in ihren Zeichnungen und Bildern verfolgt: weniges zeigen, und damit dem Betrachter Raum für eigene Gedanken geben. Behutsam fügt sie eigene Tierstillleben ein, die in Dialog mit kostbaren Messgewändern, prächtigen Goldschmiedearbeiten, Handschriften und frühen Drucken treten. Mit Bildern zur Passion und Grafiken von Blüten und Gräsern spielt die Künstlerin auf die ursprüngliche Form des Kreuzganges an, dessen Innenhof erst in seit seiner Nutzung als Ausstellungsfläche in den 1980er Jahren überdacht wurde.

 

Wandzeichnung

Ein Treppenturm im Museum wurde auf Schweglers Wunsch von Aus­stellungsarchitektur befreit, so dass die klare Architektur des Kreuzgangs wieder sichtbar wird. Für die Ausstellung hat die Künstlerin den Turm mit einer Wandzeichnung versehen. Als Motiv wählte sie eine Forelle, die, mehrfach gezeichnet, vom Betrachter als bewegter Schwarm wahrgenommen werden kann. Bewegte Ruhe ist ein Aspekt, den die Künstlerin mit der traditionellen Funktion des Kreuzgangs assoziiert. Es ist kein Ort zum statischen Verweilen, sondern ein Durchgang, eine Passage, die zwischen spiritueller Welt und Alltag vermittelt.

 

 

Vroni Schwegler

Vroni Schwegler, 1970 in Penzberg geboren, studierte von 1992 bis 1997 an der Städelschule bei Hermann Nitsch Malerei. Im Jahr 1995 absolvierte sie ein Gastsemester an der Cooper Union School of Art in New York und schloss 1997 als Meisterschülerin ihr Studium in Frankfurt ab.
Vroni Schwegler lebt und arbeitet in Frankfurt und war von 2000 bis 2013 Dozentin und Leiterin der Abendschule der Städelschule in Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Professorin für Grundlagen der Gestaltung, Zeichnung, Farbe und Komposition an der Hochschule Mannheim.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, im KünstlerHaus Wien, im Süddeutschen Kunstverein in Ammerbuch, sowie im Pfarrhaus von Fraumünster in Zürich und im Dommuseum Mainz.

 

 

Weitere Termine

Finissage mit Künstlergespräch

Sonntag, 11. September 2016, 15 Uhr

 

 

Informationen zur Ausstellung

Ausstellungsdauer

1. Juli – 11. September 2016

Öffnungszeiten

Montag – Freitag: 10 – 17 Uhr
Samstag + Sonntag: 11 – 17 Uhr

Eintritt

4 Euro, ermäßigt 2 Euro

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