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Die große Freude

Die Neapolitanische Krippe aus St. Leonhard im Dommuseum Frankfurt
Die große Freude
Die große Freude
© Andreas Arnold, Langen

Da die Sanierungsarbeiten in der Leonhardskirche derzeit noch andauern, ist die Weihnachtskrippe aus St. Leonhard in diesem Jahr wieder im Kreuzgang des Frankfurter Doms im Dommuseum zu sehen.

Krippe in Szene gesetzt

Die Präsentation im Museum eröffnet andere Möglichkeiten als die in einer Kirche. Vor allem in die räumliche Tiefe. In der Mitte des Kreuzgangs war es ohne weiteres möglich, einen tiefen Bühnenkasten aufzubauen.

Die „Presepisti“ (Sounds of Silence) entschieden sich für diese Präsentation, da sie sowohl den besonderen Charakter der Figuren mit ihren wunderbar modellierten Köpfen, ihren ausdrucksstarken Gesten und den überaus aufwendigen Gewändern hervorhebt, als auch von den Beziehungen zwischen den Figuren erzählt, die hier Zeugen der Geburt  von Jesus Christus werden.

Darauf, wohin die neapolitanische Krippe eigentlich gehört, verweist die Zeichnung von Dani Muno auf der Außenseite des Bühnenkastens: Sie zeigt die Südfassade von St. Leonhard mit dem Chor, also die Ansicht von der Mainseite.

Neapel

Neapel ist weltberühmt für seine Krippentradition.

„Hier ist der Ort, noch einer anderen entschiedenen Liebhaberei der Neapolitaner überhaupt zu gedenken. Es sind die Krippchen (presepe), die man zu Weihnachten in allen Kirchen sieht, eigentlich die Anbetung der Hirten, Engel und Könige vorstellend, mehr oder weniger vollständig, reich und kostbar zusammengruppiert. Diese Darstellung ist in dem heitern Neapel bis auf die flachen Hausdächer gestiegen; dort wird ein leichtes, hüttenartiges Gerüste erbaut, mit immergrünen Bäumen und Sträuchern aufgeschmückt. Die Mutter Gottes, das Kind und die sämtlichen Umstehenden und Umschwebenden, kostbar aufgeputzt, auf welche Garderobe das Haus große Summen verwendet. Was aber das Ganze unnachahmlich verherrlicht, ist der Hintergrund, welcher den Vesuv mit seinen Umgebungen einfaßt.“ Johann Wolfgang von Goethe Italienische Reise im Jahre 1787.

Wenn Goethe von „Krippchen“ spricht, dann meint er Szenerien, die oft Hunderte von Figuren umfassten, sich über mehrere Räume der Palazzi erstreckten oder in den Klöstern einen eigenen Bereich erhielten und mit ungeheurem Aufwand aufgebaut wurden.

Der Abbé Le-Non, ein Zeitgenosse Goethes, schreibt in seiner malerischen Reise 1781 von „Ruinen, Bauernhäusern, Bächen, Brücken, Wasserfällen, Bergen, Tieren“, „alle diese Dinge sind mit unendlicher Geschicklichkeit vereinigt, und das Ganze ruft eine ganz eigene Illusion hervor. Das Blau des natürlichen Himmels verwebt sich mit dem Ton und der Farbe der Fernen, welche den Hintergrund bilden mit solch perspektivischer Täuschung, dass ein Berg, der zwanzig oder dreißig Fuß vom Beschauer steht, in völlig richtiger Proportion eine Meile entfernt zu sein scheint.“

Krippe von St. Leonhard Dommuseum Frankfurt

Auch zu der Krippe von St. Leonhard gehören zwei Ruinen, von einem Palast und von einem antiken Tempel, in den der Stall hineingebaut ist. Außerdem knapp 40 Figuren in unterschiedlichen Größen. Die Provenienz lässt sich bis ins Jahr 1930 zurückverfolgen; damals kaufte sie der Bonner Restaurator und Kunsthändler Hermann Bernhard Goldkuhle in Neapel. Aus welcher der vielen Sammlungen, die in dieser Zeit immer wieder auf Auktionen auftauchen, die Figuren stammen, weiß man nicht. 1943 konnte der damalige Pfarrer von St. Leonhard 11 Figuren erwerben, die übrigen gelangten nach Goldkuhles Tod 1955 in den Besitz des Frankfurter Unternehmers Adolf Schindling. Im Jahr 2000 wurden sie aus dem Nachlass seiner Tochter Liselott Linsenhoff der Leonhardsgemeinde übereignet und in den vergangenen Jahren unter anderem mit Mitteln aus der Liselott und Klaus Rheinberger Stiftung aufwendig restauriert.

Gemälde der Heiligen drei Könige – Meisterwerk aus der Zeit um 1600

Ein besonderes Gegenüber erhält die neapolitanische Krippe durch das barocke Gemälde der Heiligen drei Könige vor dem Jesuskind. Normalerweise hängt das Bild in über fünf Metern Höhe im Dom. Nun wird es aber wegen einer Restaurierungsmaßnahme dort im Dommuseum in Augenhöhe zu sehen sein und so dem Betrachter den Reichtum und die Herkunft der drei Weisen aus dem Morgenland erschließen. Man meint, die drei Könige würden gleichsam aus dem Gemälde heraus direkt in die Krippenlandschaft hineinspazieren.