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Restaurierung der Pietà

Restaurierung der Pietà
Restaurierung der Pietà
Die Pietà im Dom. © Axel Schneider, Frankfurt am Main

Seit vielen Jahrzehnten ist sie eines der am meisten besuchten Bildwerke im Frankfurter Dom: die Pietà – also Maria, mit ihrem vom Kreuz abgenommenen, toten Sohn auf dem Schoß – in der Scheidkapelle im Südwesten des Gebäudes. 1914 wurde die lebensgroße Figurengruppe des Bildhauers Caspar Weis (1849–1930) im Dom aufgestellt. Seitdem wurden unzählige Kerzen vor der Figur angezündet und Blumen niedergelegt, war die ernst und traurig blickende Muttergottes Zeugin vieler stiller Gebete und Fürbitten.

Eine Besonderheit der Skulptur ist ihre Bemalung. Kleid und Mantel Marias sind als kostbarer Brokatstoff mit einem feinen, kleinteiligen Muster wiedergegeben – durch eine lasierend ausgeführte, kostbare Farbfassung im Stil der Neugotik. Sie ist nun nach vielen Jahren im Dom akut gefährdet. An vielen Stellen finden sich Spuren von Berührungen oder von allzu nah an die Holzskulptur gerückten Kerzen. Durch Klimaschwankungen löst sich die Farbfassung und es sind schon zahlreiche Fehlstellen entstanden, Kerzenruß und der in der Innenstadt allgegenwärtige Feinstaub haben sich auf das beliebte Bildwerk gelegt.

Ab dem 22. Februar 2021 wird die Figur durch die erfahrene Restauratorin Moya Schönberg und ihre Kollegin Anke Becker im Dommuseum Frankfurt im Kreuzgang des Kaiserdoms restauriert. Die Restaurierung wird durch Spenden zum Andenken an die Kunsthistorikerin Elsbeth de Weerth (1930–2018) sowie durch Zuschüsse der Dompfarrei und des Bistums Limburg ermöglicht. Sobald das Museum seine Pforten wieder öffnen darf, können Besucherinnen und Besucher die beiden Restauratorinnen und die Pietà dort besuchen. Der steinerne Sockel der Figur und die Kapelle werden während der Restaurierung durch die Stadt Frankfurt wieder hergestellt.

Veranstaltungen / Begleitprogramm

[Alle Veranstaltungen müssen leider entfallen. Ersatztermine werden hoffentlich ab Mai möglich sein und hier bekannt gegeben.]

In Restauro – Die Pietà des Frankfurter Doms und ihre aktuelle Restaurierung. Mit Moya Schönberg (Restauratorin) und Bettina Schmitt (Kunsthistorikerin und Leiterin Dommuseum Frankfurt)

 

Erbarmen – Pietà. Bildbetrachtung in der Karwoche. Mit Rektor Dr. Stefan Scholz und Bettina Schmitt

 

Anmeldung zu den Veranstaltungen

info@dommuseum-frankfurt.de

069 8008718290

© Axel Schneider, Frankfurt am MainDetail des Marienmantels vor der Restaurierung.

Zum Wissen: Als Pietà (Italienisch für Mitleid, Erbarmen) bezeichnet man die Darstellung der Muttergottes, die ihren vom Kreuz abgenommenen, toten Sohn auf dem Schoß hält und ihn beweint. Diese Szene ist in keinem der Evangelien beschrieben. Es handelt sich vielmehr um eine Bilderfindung des 14. Jahrhunderts (abgeleitet von byzantinischen Ikonen), das die Passion Christi in das Zentrum der Frömmigkeit rückte und das persönliche Nacherleben und Nachfühlen des Leidens (Compassio) zu einer religiösen Praxis erhob. Bildliche Darstellungen von Schlüsselmomenten spielten dabei als Andachtsbilder eine bedeutende Rolle. Die Pietà wurde vor allem nördlich der Alpen häufig dargestellt; die schönsten Beispiele entstanden in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts in Süddeutschland, Österreich und Tschechien. Dennoch steht die berühmteste in Rom – Michelangelos Pietà im Petersdom. Die Pietà des Frankfurter Kaiserdoms orientiert sich an Vorbildern der Spätgotik aus dem deutschsprachigen Raum und den Niederlanden, die sie in eine monumentale Größe übersetzt. Sie wurde einen Monat vor dem Beginn des ersten Weltkriegs im Frankfurter Dom aufgestellt.

Der Bildhauer Caspar Weis führte eine große Werkstatt in Oberlahnstein. Er arbeitete eng mit Stadtpfarrer Franz Münzenberger zusammen und war auf Restaurierung und Neupolychromierung von Altären und Figuren spezialisiert.

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